Die Einführung des Streitschlichterprogramms am HCG ist ein voller Erfolg. Drei Schüler und neun Schülerinnen wurden zu Streitschlichtern ausgebildet und konnten inzwischen vielen Fünftklässlern helfen. Nun suchen sie Verstärkung, damit das Programm nächstes Jahr auch den Sechstklässlern zu Gute kommen kann.

Mit dem Streitschlichterprogramm kam Schulsozialarbeiterin Kerstin Strohl dem Wunsch des Kollegiums nach, denn Schülermediation hat viele positive Effekte für die Schulgemeinschaft. Schüler lernen Verständnis für andere zu entwickeln, einen offenen Umgang miteinander zu pflegen, Hilfe zu geben und anzunehmen, sich gegenseitig wertzuschätzen und Fehler einzugestehen.

„Ich gehe jetzt bewusster mit Konflikten um“, so die Neuntklässlerin Rebecca Falkenburger. Max Hanselmann überträgt das Gelernte auf Bereiche außerhalb der Schule, zum Beispiel auf seine Pfadfindergruppe. „Anfangs war es komisch“, erinnert sich Sophie Kazenwadel, aber inzwischen sind die Streitschlichterteams routiniert. Immer zu zweit gehen die Unparteiischen an einen Konflikt heran, holen die Streitenden an einen Tisch in ihrem extra dafür eingerichteten Raum im Schulhaus.

Zunächst erklären die Streitschlichter die Regeln: Mediation ist freiwillig, man muss den anderen ausreden lassen, darf sich nicht beschimpfen und muss das Gesagte vertraulich behandeln. Dann dürfen die Konfliktparteien ihre Sicht schildern. Als nächstes folgt der schwierigste Schritt, es wird über die Gefühle gesprochen. „Da müssen wir oft helfen und nachfragen“, so Karolin Lüllwitz. Anschließend dürfen die betroffenen Schüler Lösungsvorschläge machen. „Da halten wir uns möglichst raus“, erklärt Max. Zum Schluss wird ein Kompromiss gefunden und vertraglich festgehalten. Nach ein paar Wochen gibt es ein Nachtreffen, um zu sehen, ob der Vertrag eingehalten wurde.

Gelernt haben die zwölf Mediatoren ihr Handwerk an zwei Wochenenden. Der Förderverein des HCG finanzierte das Seminar des Heidelberger Instituts für Mediation, das auch der Schulsozialarbeiterin und zwei Lehrerinnen, Katja Seitz und Stefanie Decker, die Grundlagen der Streitschlichtung näher brachte.

Bewerben konnten sich die Schüler übrigens nicht für diese verantwortungsvolle Tätigkeit. In geheimer Wahl durften die Klassen Mitschüler dafür auswählen. „Das kann nicht jeder“, weiß Strohl. Dass somit die Konflikte in der Regel ohne Erwachsene gelöst werden, hat die Erfahrung des ersten Jahres gezeigt. „Mit Schülern kann man besser reden“, sagt Max. Zu den Fünftklässlern haben wir genügend Altersabstand, könnten aber noch Freunde sein“, beschreibt Sophie. Und wenn es doch einmal schwierig wird, ist Kerstin Strohl immer ansprechbar.

Bild Streitschlichter